Ein Anliegen mit Spaßfaktor (zur UA von Gravitational Waves 2016)

Iris ter Schiphorst über das Komponieren für Jugendliche

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...Als wahrhaft 'galaktisches' Projekt musizierten alle 164 Mitglieder des National Youth orchestra of Great Britain unter der Leitung von Edward Gardner in Iris ter Schiphorsts Auftragswerk Gravitational Waves  - mit krönendem Abschluss bei den diesjährigen BBC Proms in London: "ein umwerfendes Showpiece für die virtuosen Jugendlichen" (The Times). Wir haben die Komponistin nach ihren Erfahrungen befragt. 

Wie haben Sie die drei Konzerte beim Aldeburgh Festival, in Birmingham und London erlebt?

Die Stimmung in Aldeburgh war schon überwältigend. Auch für die Jugendlichen war es überraschend, wie spontan und euphorisch das Publikum reagiert hat. Der Beginn, der nur aus choreographierten Gesten besteht, war ja für alle sehr ungewöhnlich. Nach dem Erfolg hat sich das Orchester mit Verve auf das Konzert in Birmingham fokussiert. Die Royal Albert Hall mit 8000 Zuschauern und der einzigartigen Proms-Athmosphäre war dann noch mal eine Steigerung. 

 

Hat Sie die Aufgabe, für Jugendliche zu schreiben, bei Gravitational Waves beeinflusst?

Nicht im Sinne einer verminderten Schwierigkeit, denn diese jungen Talente sind Profis. Aber ihr 'spirit' und Charme waren schon eine Inspiration. Die Choreographie mit den Masken und den Einsatz der 'groovenden' Sprechstimmen habe ich speziell für das NYO konzipiert, und sie hatten großen Spaß bei dieser beeindruckend präzis bewältigten Aufgabe. Ein Mädchen aus dem Orchester hat sogar die Stimme auf dem Sampler eingesprochen. 

 

Wie war die Probenatmosphäre?

Wir haben auf dem Campus der Universität Birmingham gewohnt. Da gab es auch zwischen den Proben einen spannenden Austausch, etwas bei einem Diskussionsabend. Die Registerproben waren großartig vorbereitet. Bei manchen ungewohnten Spieltechniken gab es Nachfragen, aber die Atmosphäre war sehr kreativ und konstruktiv. Mein Ko-Komponist Uros Rojko hat außerdem mit Larry Goves ein Tutorial für junge Komponisten geleitet. 


Gibt es ähnliche Projekte in Deutschland?

Das Landesjugendorchester Sachsen hat bereits meine Werke Klangrätsel und An den Stränden der Ruhe erarbeitet. Auch hier gab es intensives Feedback von den Jugendlichen: Sie haben sich sehr in die Musik reingekniet und aus den Aufführungen viel für sich mitgenommen. 


Arbeiten Sie auch mit Laien?

Ja, für 'upgrade Donaueschingen' schreibe ich 2017 ein Chorstück - es wird von Musikschulchören aus Baden-Wurttemberg aufgeführt. In Berlin habe ich einige Jahre das Projekt Querklang mitgeleitet, wo 'ganz normale' Schüler in experimenteller Weise an aktuelle Musik herangeführt werden. Und schon in den Achtzigern habe ich mit Künstlerkollegen Projekte in Kreuzberger Schulen realisiert, seinerzeit etwas ganz Neues.


Seitdem gibt es viele Initiativen für musikalische Bildung. Wie beurteilen Sie die Nachhaltigkeit?

Ich denke, man kann die Jugendlichen ehrlich für ihnen zunächst fremde Klangwelten begeistern. Zugleich ist es aber wichtig, dass die Kulturpolitik bei aller pädagogischer Arbeit nicht die Förderung junger Komponisten und Ensembles vergißt. 

 

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