Iris ter Schiphorst beantwortet Fragen zu ihren Musik-theatralischen Arbeiten
Interview im Rahmen des Spor-Festivals 2015
anlässlich einer Aufführung beim Spor-Festival 2015 (Motto: „STAGING THE SOUND")
Hier ein Ausschnitt zu „Silence moves" (1997)(mit Helmut Oehring), für Stimme, Violine, Cello, E-Bass, präpariertes Klavier/Sampler, Zuspielbänder, Videoinstallation und Live-Elektronik:
Frage: Wann haben Sie dieses Stück mit Helmut Oehring komponiert?
ItS: Ich glaube, im Jahr 1997.
Frage: Was war der Impuls?
ItS: Ich habe damals intensiv über „Schrift" gearbeitet. „Silence moves" ist im weitesten Sinne ein Stück über die Geschichte der Schrift in all ihren Facetten – auch im Sinne eines Schriftbegriffs, wie ihn Jacques Derrida oder Jacques Lacan verwenden.
Frage: Gemeinsam mit einer anderen Person zu komponieren, kann schwierig sein. Wie haben Sie sich die Rollen geteilt?
ItS: Ich habe mit Helmut Oehring insgesamt 13 große Stücke komponiert. Wir haben diesen Arbeitsprozess auf viele verschiedene Weisen gestaltet. Es fühlte sich immer sehr leicht an, weil wir eine ästhetische Grundübereinstimmung und damit uneingeschränktes Vertrauen zueinander hatten.
Frage: Wer hat den Text ausgewählt und warum gerade diesen?
ItS: Der Text stammt von mir, mit Ausnahme einiger Zitate von Sigmund Freud und eines längeren Zitats von Ingeborg Bachmann. Dieser Text hat für mich mit Schrift zu tun, aber auch mit biografischen Elementen und dem Tod – wobei Tod und Schrift für mich ohnehin untrennbar miteinander verbunden sind.
Frage: Wie haben Sie mit dem Text gearbeitet?
ItS: Ich habe ihn zum Teil nachträglich zur Musik geschrieben, teilweise waren Passagen bereits vorher fertig – etwa die „Eis-Texte", die wie ein Zwischenscharnier funktionieren.
Frage: Warum haben Sie diese sprachliche Dualität gewählt – Sopran auf Englisch und Sprechstimme auf Deutsch?
ItS: Ich finde es besonders schwierig, auf Deutsch singen zu lassen, weil man sofort in der Gattung des „deutschen Kunstlieds" landet. Mit dem Englischen ist das einfacher, da diese Assoziation nicht sofort da ist. Andererseits war es mir wichtig, dass die sprachlichen Teile gut verständlich sind.
Frage: Wie arbeiten Sie in dieser Komposition konkret mit dem Text?
ItS: Der Text wurde eigens für dieses Stück geschrieben und entstand fast immer zeitgleich mit der Musik.
Frage: Man hört Elemente, die an Jazz oder Klezmer erinnern. Hat das eine besondere Bedeutung?
ItS: Klezmer würde mich wundern – das wäre rein zufällig, da ich mich damit nicht auskenne. Wahrscheinlicher sind Anklänge an Rock- oder Funk-Musik. Das liegt zum einen an der Besetzung mit E-Bass und E-Gitarre, zum anderen an meiner eigenen Biografie: Ich habe lange Zeit Rockmusik gemacht und in Bands gespielt.
Frage: Wie war die Reaktion des Publikums?
ItS: Enthusiastisch! Es war damals sehr außergewöhnlich, eine multimediale Arbeit zu zeigen, die so konsequent durchkomponiert war: Zwei kleine Leinwände und eine große Gazeleinwand vor der Bühne ermöglichten drei Videofilme, die teils gleichzeitig neue Perspektivwechsel boten, kombiniert mit Live-Musik in immer neuen Choreografien. Wir wurden für dieses Stück mit dem „Blaue Brücke"-Preis in Hellerau/Dresden ausgezeichnet.