Ballade für einen Bulldozer (1990)
für Violine (verstärkt) und Synthesizer/Sampler
in memoriam Robert von Lieben (1878-1913), dem Erfinder der Elektronen-bzw. Verstärkerröhren
Dauer: 9 min.
ensemble intrors, Susanne Schulz - E-Geige, Iris ter Schiphorst - Synthesizer/Sampler
Aufführungsmaterial erhältlich bei Boosey & Hawkes
Technisches Set-up:
benötigt wird:
eine dem jeweiligen Raum entsprechende PA mit mindestens zwei Boxen L/R (ev. eine zusätzliche Center-Box),
eine Monitor-Box für das Keybaord,
ein Mischpult mit ca 5 Eingängen,
ein Clip-Mikrophon für die Violine, ggf. ein Hall-Effekt für die Violine,
ein Sample-Keybaord, ein Synthesizer-Keybaord, ggf. jeweils mit einem Volume-Pedal.
Die Samples liegen im Format 16 bit, 44,1 kHz vor und können für jeden gängigen Sampler eingerichtet werden. Die genaue Programmierung ist der Partitur zu entnehmen.
Auch die Sounds für den Synthesizer werden in der Partitur beschrieben.
Technisches Set-up für das Keyboard-Equipment der Urfassung
Zwei Casio-Sampler (mit jeweils nur 2 MB!), davon einer mit Tastatur, der andere als Rack, Synthesizer Roland D 50, yamaha 16 Kanal-Mischpult, yamaha-spx 90-Effektgerät.
CD Liebesgeschwüre im Schneckenhaus – elektroakustische Kompositionen von Iris ter Schiphorst
Ensemble intrors: Gisburg Smialek – Stimme/Querflöte, Susanne Schulz, Barbara Buchberger – Violinen, Iris ter Schiphorst – Synthesizer/sampler im SO-36, prod. 1992

Audio: youtube
Aus dem Programmheft:
Es gibt in meiner Arbeit folgende Vorgehensweise:
Zunächst begebe ich mir auf die Suche nach Klangmaterial, das mich anregt, das irgendetwas in mir in Bewegung versetzt. Es ist eine Phase des Sammelns (=Speicherns) und Ausprobierens.
Ihr folgt eine eher ‚rezeptive’ Phase, in der ich der Bewegung, die die Klangelemente in mir vollziehen, zu folgen versuche: d.h. ich bemühe mich, herauszuhören, welche Zusammensetzung die ausgewählten Klangelemente verlangen. Oft entsteht auf diesem Wege bereits eine ganz bestimmte Stückkonzeption, manchmal bleibt es jedoch bei der Lust, das Material immer wieder neu und in anderer Weise zu durchstreifen.
Die Auswahl der Mitspieler/innen, d.h. ihrer Instrumente erfolgt auf gleichem Wege. Zuweilen fordert das Material die spezifische Klangfarbe eines bestimmten Instruments und einer bestimmten Art, es zu spielen. Manchmal verbleibt es jedoch nur bei der ungefähren Ahnung einer möglichen Begegnung...(ItS, 1990)
Presse
Homa musica von Eckhard Smialek, 6.2.1991
Iris ter Schiphorst, All-Elektronik-Komponistin spielt eine unterirdisch schöne Musik. Sie ist ein akademischer Engel, Brahms und Brahma im klassischen Underground.
Ihr Soundzauber ist cool-psychodelisch: blonde Musik für dramatische Hörer.
Sie ist eine hypervirtuose Keyboarda.Sie macht Hand- und-Fuß-Experimente mit der Begeisterung für Dinge, die ganz bestimmt funktionieren.
Sie spielt zur Erde.Aus der verlorenen Geige einer Geigerin steigt Venus empor...
Sie werden hören...
Eine kleine High-Tech-Nachtmusik. NWZ, Nr. 108, 11.05.1991, Susanne Olbrich
...Erstaunlich viele Leute fanden sich zum Nachtkonzert mit den beiden Musikerinnen Iris ter Schiphorst (Synthesizer, Sampler) und Susanne Schulz (Geige) ein. ... und zeigten sich begeistert von dieser eigentümlichen Serenade.
Das Material der durchweg von Iris ter Schiphorst stammenden Kompositionen bestand aus elektrisch verstärkten und/oder bearbeiteten Klängen, die mit der elektrisch verstärkten Geige korrespondierten. Die Stücke trugen Titel wie „Ballade für einen Bulldozer“ oder „...ergo sum-’pf’-maschinerie“ und wirkten, obwohl auf genaueste konstruiert, wie minutiöse Geräuschcollagen, eine experimentelle „Filmmusik ohne Film“.
Im konzentrierten, sensibel von einer Lightshow unterstützten Zusammenspiel der beiden Musikerinnen wurde „die Lust, das Material immer wieder neu und in anderer Weise zu durchstreifen“, deutlich hör- und spürbar. Obwohl elektronischen Klängen immer schon an sich etwas Abstraktes, Unkörperliches anhaftet, erschöpften sich diese Kompositionen nicht in einem surrealen Klangästhetizismus, in High-Tech Spielereien. Hinter ihnen kam der starke, auch verspielte Ausdruckswille zum Vorschein, Ebenen auszuloten, die mit Worten nicht faßbar sind...