MAKE HIM TALK (2016/2017)

zu ‚après „l’artisanat furieux“’ (aus ‘Le marteau sans maître’, VII) von Pierre Boulez
für Flöte, Vibraphon, Gitarre und Sampler, Hammer, Donnerblech (alle verstärkt) - Miniature als Geburtstagsgruß für Pierre Boulez

Dauer: 3,5 min.

Kompositionsauftrag des PHACE-Ensembles und des Konzerthauses Wien

UA: 13.06.2017, Konzerthaus Wien

Phace-Ensemble, Simeon Pironkoff

Aufführungsmaterial erhältlich bei Boosey & Hawkes

Programmhefttext

Make him talk! basiert auf dem Stück Nr. VII aus ‚Le marteau sans maitre’ (= ‚après „l’artisanat furiuex’“) von Pierre Boulez. Die Besetzung entspricht dem Original, wurde allerdings um einen Sampler erweitert, mit dem im Verlauf des Stückes immer wieder originale Sprach-Zitate Boulez’ zugespielt werden. Sie sind einem längeren Fernseh-Interview entnommen, das im amerikanischen Fernsehen in den 90iger Jahren ausgestrahlt wurde.

Tonhöhen und Intervalle der Original-Musik Boulez’ werden in Make him talk! grundsätzlich beibehalten. Auch die Tempi entsprechen exakt dem Original. Jedoch wurde die zeitlich-rhythmische Ebene von mir komplett umgestaltet mit dem Ziel, die Musik zu ‚versprachlichen’, eine Intention, die der von Boulez zuwiderläuft.

In zum Teil etwas überspitzter Weise greife ich Inhalt und Duktus der Sprach-Zitate auf und versuche, durch rhythmisch-zeitliche An-/ bzw. Um-ordnung der Musik, also mit einfachen musikalischen Mitteln die Texte zu ‚kommentieren’, zu ‚ironisieren’, oder auch zu ‚konterkarieren’. Live-Musik und Samples (=die Stimme von Boulez) bilden somit ein dichtes ‚Geflecht’, bzw. eine Art ‚Wechselrede’.

Presse

Wiener Zeitung, 15.6.2017, Lena Dražić

Boulez-Bezüge, ehrfurchtsvoll und ikonoklastisch

Im vorletzten Konzert der Boulez-Reihe präsentierte das Ensemble Phace mit "Le Marteau sans maître" eines der Hauptwerke des Tonsetzers. Doch begnügte sich das von Simeon Pironkoff geleitete Ensemble nicht mit einer Wiedergabe, sondern beauftragte acht Komponistinnen und Komponisten mit Miniaturen, die zwischen den neun Teilen des "Marteau" erklangen. 
Wie funktioniert der Dialog zwischen jener so fernen Avantgarde und unserer so retrospektiven Gegenwart? Er begann an dem Abend mit dem vergeblichen Wunsch der Rezensentin, Boulez‘ Werk in- und auswendig zu kennen, um die Musik nicht nur gleich richtig zuzuordnen, sondern auch die Boulez-Bezüge der Uraufführungen zu entschlüsseln. Im Laufe einer intensiven Stunde wurde klarer, wie sich die Neukompositionen von der kristallinen Fremdheit des "Marteau" absetzten.
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Manche Antworten fielen ironisch aus, so..."Make him talk!" von Iris ter Schiphorst, die den Meister selbst mit der Aussage, man solle die Musik vergangener Jahrhunderte ruhen lassen, den Abend (selbst-)ironisch kommentieren ließ...

Boulezian, Mark Berry, Blog, 14.06.2017

… It was nice to hear Boulez’s own voice sampled in Iris ter Schiphorst’s Make him talk! and there was, I think, a real sense of that voice becoming part of the ensemble.

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