Ordnung und Struktur (2022)
Miniaturen für Männerstimme (Bass), Bassklarinette und Zuspiele
nach Texten von May Kooreman (Textzusammenstellung: Iris ter Schiphorst)
Dauer: 11 min.
Kompositionsauftrag von Musik der Jahrhunderte
UA: 14.10.2022, Donaueschingen, Donaueschinger Musiktage, Thema: ParkinsonAndreas Fischer, Gareth Davis
Aufführungsmaterial erhältlich bei Boosey & Hawkes
Ordnung und Struktur (2022)
für Bassstimme, Baßklarinette+Zuspiele, Donaueschingen 2022
Werkkommentar
Eine winzige Abweichung verändert alles - dein ganzes Leben.
Hinweis:
Anstelle der Bassklarinette kann an bestimmten Stellen des Stückes optional die Kontrabassklarinette verwendet werden (s. Partitur).
Der Sänger benötigt zusätzlich zwei Thai-Gongs in der Stimmung fis’ und ais’, die je nach Raum verstärkt werden müssen.
Zuspiele:
Verwendet werden englische Original-Texte der an Parkinson erkrankten May Kooreman, die sie selber nach einer Deep-Brain Stimulation spricht (im Stereo-Bild dem linken Lautsprecher zugeordnet), sowie eine Männerstimme, die Fragmente dieser Texte auf deutsch spricht (dem rechten Lautsprecher zugeordnet, sowie ein Stampfen aus beiden Richtungen). Die Frauen- und Männerstimme treten sich räumlich also gegenüber, wie in einer Art Dialog. In der Mitte befinden sich die beiden Musiker.
Die Sounds liegen im wav-Format 44.1/16bit (Stereo + Mono) vor (s.u.g. Liste), sodaß man sie in jedes beliebige Zuspielgerät (Sampler) laden kann. Dafür wird ein beliebiges Zuspielgerät (z.B: Sampler) benötigt mit möglichst 6 outputs, ein entsprechendes Mischpult, Mikrophone für die Solisten, sowie eine angemessene, möglichste lokale Verstärkeranlage. Auch die beiden Thai-Gongs am Ende des Stückes sind zu verstärken.
Die Sounds sind Bestandteil des Aufführungsmaterials und müssen vom betreuenden Tonmeister in einem Zuspielgerät eigener Wahl eingerichtet werden. In der Aufführung ist die Lautstärke ggf. dem Raum entsprechend zu justieren.
Presse
ZEIT Nr. 43/2022, 19. Oktober 2022
https://www.zeit.de/2022/43/donaueschinger-musiktage-musikfestival
Die Partituren kritisieren
Die Donaueschinger Musiktage stehen vor einem Neubeginn und wagen schon in diesem Jahr den Blick ins Offene.
Eine Rezension von Mirko Weber... Von Beginn an ist häufig von Verletzungen die Rede bei den diesjährigen Donaueschinger Musiktagen, von Einschnitten im Leben und Abschieden vom gewohnten Dasein. Gleich dreimal ist das zentrale Thema sogar die Krankheit Parkinson. Mit Anleihen an John Dowland versehen von Evis Sammoutis, als "Cheap Opera", also als Oper ohne Aufwand, angelegt von Bernhard Lang, und schließlich als Widerstandsstück formuliert von Iris ter Schiphorst. Im Grunde sind das alles Miniaturen, immer gefüttert von der Bassklarinette (Gareth Davies) und den brillanten Neuen Vocalsolisten Stuttgart. Am weitesten mit ihrer Auflehnung gegen den Wahnsinn der Krankheit geht ter Schiphorst. Der Bassist Andreas Fischer, dem hier die Texte einer anonym bleibenden Frau anvertraut sind, gibt einfach nicht klein bei.
Eleonore Büning, Van-magazin 2022
https://van-magazin.de/mag/donaueschingen-2022/
... Gleich zwei Konzerte zu Beginn der diesjährigen Donaueschinger Musiktage trugen ein solches außermusikalisches Motto vor sich her. Sie waren, im Auftrag der »Musik der Jahrhunderte« dem Thema Parkinsonsche Krankheit gewidmet. Auch die Besetzung war gegeben: eine Bassklarinette (gespielt von Gareth Davis), dazu die kostbaren Stimmen der Neuen Vocalsolisten Stuttgart. Die Idee an sich ist nichts Neues, wenn auch nicht unumstritten. Bereits seit Jahren ist die Musikalisierung physischer Grenzerfahrungen der menschlichen Existenz und deren Leiden im Schwange, dabei ging es um Autisten, Gehörlose oder Komapatienten. Der Oper Koma von Georg Friedrich Haas blieb vor Jahren, als ihr zu einer Wiener Aufführung Live-Videos einer Patientin aus der Intensivstation zugespielt wurden, der Vorwurf des Voyeurismus nicht erspart. Iris ter Schiphorst ging dem nun mit ökonomisch und kühl eingesetzter elektronischer Wucht aus dem Weg. Sie fügte der Besetzung ein Zuspielband mit den Aussagen einer an Parkinson erkrankten Patientin hinzu, teils verfremdet, übermalt und übersetzt. In den flächigen live gesungenen Passagen zerschellte die virtuose Stimme des Bassisten Andreas Fischer immer wieder an der tief in dem Abgrund der Verzweiflung wühlenden Bassklarinettenklage. Viel Pathos war da im Spiel. Scharf schlugen da die letzten Worte zu: »Ist das ein Mensch? Ein Mensch?«
