Suggestion of least resistance (2018)
Musik zum Animationsfilm von Michelle & Uri Kranot
für großes Ensemble (verstärkt), Sampler und Video
Dauer: 6 min.
Kompositionsauftrag des Klangforums Wien, finanziert von der Ernst von Siemens Musikstiftung
UA: 08.02.2019, Stuttgart, Theaterhaus/T1 Eclat Festival, innerhalb des Programms ‚Happiness Machine’Klangforum Wien
Aufführungsmaterial erhältlich bei der Komponistin
Suggestion of least resistance (2018)
Animationsfilm: Michelle and Uri Kranot zum Wiener Justitzpalastbrand 1927
Besetzung:
fl (+picc).ob(+cor anglais).ob (+corA). cl (+bcl).asax(+barsax).bn (+dbn)-hn.tpt.trbn-perc-smpl.pft.akk.-2vln.vla.vc.db
Werkkommentar
„Suggestion of least Resistance“ ist ein experimentelles Gemeinschafts-Werk der Künstler Michelle & Uri Kranot und der Komponistin Iris ter Schiphorst.
Das Projekt basiert auf Archivmaterialien, die den Juliaufstand von 1927 (Wiener Justizpalastbrand) darstellen: Sozialistische Arbeiter aus den Vororten Wiens versammeln sich vor dem Justizpalast, um ihrer Wut über die korrupte Justiz Ausdruck zu verleihen. 89 Menschen werden von bewaffneten Polizisten zu Pferd getötet. Mehr als 600 Menschen werden schwer verletzt. Die wütende Menge stürmt den Justizpalast: Akten werden in Brand gesteckt und bald lodern Flammen aus den Fenstern des Palastes. Der Aufstand am 15. Juli wird sich als schicksalhafter Tag erweisen: als Auftakt dessen, was schließlich zum Bürgerkrieg führen wird.
Der Animationsfilm gleicht einer rhythmisch - poetischen Welle, die uns, unser Leben und unser Menschsein mit brennenden Papieren im Wind vergleicht. Bildern von Papieren, die durch die zerbrochenen Fenster des brennenden Palastes fliegen, werden Bildern der Menschenmengen gegenübergestellt, die zusammenkommen und sich zerstreuen. Die Musik lädt diese kraftvollen Bilder mit Lebendigkeit und Farbe auf. Wir sind von der Idee der Dokumentation und „Wahrheit“ getrieben und experimentieren mit der künstlerischen Form und ihrer unheimlichen Verzerrung anhand der sich wiederholenden, stilisierten Abstraktionen der sich abspielenden Ereignisse.
Das Projekt wurde vom Klangforum Wien im Rahmen der „Gemeinwohl-Ökonomie“ initiiert, ist als audiovisuelle Live-Performance konzipiert und wird als Filmprojektion, Videoinstallation und Kurzfilm präsentiert.
Mehr Einzelheiten unter: https://tindrum.dk/projects/suggestion-of-least-resistance/
Trailor:https://vimeo.com/300050497
Presse
Wiener Zeitung, 06.03.2019, Lena Drazic
„..Die bewegte Ensemblemusik von Iris ter Schiphorst verhilft dem Archivmaterial vom Justizpalastbrand in Michelle Kranots ‚Suggestion of Least resistance’ zu energetischer Dringlichkeit...“
Stuttgarter Nachrichten, 11.02.2019, Susanne Benda
Wundervoll spielerische Film-Musik-Kooperationen aus dem Spannungsfeld von Einzelwesen und Gemeinschaft sind hier zu bestaunen... Auch wenn, weil die menschlichen Sinne nun einmal so funktionieren, die optischen Reize die akustischen überlagern, auch wenn man die Musik also meist nur als Farbe zum Bild wahrnimmt, hört man die Stärke der Kompositionen, unter denen jene von Iris der Schiphorst wohl den freiesten, vielleicht auch radikalsten Umgang mit den Trickfilm-Bildern (hier: von Michelle Kranot) pflegt.
