Und Pommernland ist abgebrannt/deutsches Schreiben (Version für Flügelhorn) (2003)
für Flügelhorn, Bassflöte, Bassklarinette CD-Zuspiel und Live-Elektronik
Dauer: 12 min.
Kompositionsauftrag der Klangwerkstatt Berlin
UA: August 2013, Parkmusik-Neue HorizonteVersion mit Flügelhorn: Paul Hübner, Trompeten Boglárka Pecze, Klarinetten Peter Schulenburg,
Aufführungsmaterial erhältlich bei Boosey & Hawkes
...und Pommernland (Audio excerpt)
Zur Technik:
Für eine Aufführung mit Effektgerät müssen die Instrumente verstärkt werden, dafür wird eine gute PA benötigt.
Da alle Musiker in dem Stück immer wieder auch während des Spielens singen müssen, ist auf eine ausreichende Mikrophonierung zu achten.
Am Ende des Stückes (letzte Seite) ist ein CD-Player vorgeschrieben, der entweder beim Baßklarinettisten plaziert ist (sodaß er ihn einstarten kann), oder aber beim Tontechniker, der das Mischpult bedient. Der CD-Player geht stereo L+R in das Mischpult, so daß auch das CD- Zuspiel über die große PA zu hören ist. Die Zuspiel-CD ist Bestandteil des Aufführungsmaterials.
Für die pitch-Effekte wird ein einfaches Effektgerät benötigt, das das Programmieren von pitch-shifting ermöglicht. Das Effektgerät wird am besten vom Mischer aus bedient und so geroutet, daß die Effekte auf Extra-Fadern nach Partitur vom Tontechniker bedient werden können.
Diese Effekte sollen nun minimal hinzugemischt werden (on + off= immer ein wenig hinzu und wieder weg), sodaß lediglich eine kleine Irritation des Originalklangs entsteht. Niemals darf das Effektgerät vordergründig klingen.
Es sind 2 verschiedene Settings vorgesehen:
1. = Pitchshift ca kleine Sekunde tiefer ( die kleine Sekunde ist ‚unrein’, also ca 20 cent höher zu verstimmen)
2. = Pitchshift 1 Oktave tiefer
Programmheft-Text:
Eine spezifisch „deutsche Sehnsucht“ ist, so die Komponistin, seit jeher und vor allem in der Romantik mit dem Begriff „Pommernland“ verbunden. „Pommernland, mein Sehnen ist dir zugewandt“, heißt es etwa im Heimatlied von Gustav Adolf Pompe aus dem Jahre 1850.
Das Kinderlied, dem die Titelzeile der Komposition entnommen ist, stammt hingegen aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, in dem das der Reformation angeschlossene Pommern nahezu verwüstet wurde. Eine Renaissance erlebte das Lied nach dem Zweiten Weltkrieg, nun bezogen auf die erneute Zerstörung Pommerns und die Flucht und Vertreibung von Pommern-Deutschen.
Beide Assoziationen verbinden sich in der Unmöglichkeit romantisch-deutscher Sehnsüchte seit den politischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts: Mit dem nationalsozialistischen Missbrauch der deutschen Romantik ist der Sehnsuchtsort „Pommernland“ tatsächlich „abgebrannt“.
Lydia Jeschke