Undine geht! (2020/2021)
Eine Art Monodram nach Ingeborg Bachmann
für eine Schauspielerin, einen singenden Cellisten, eine Sängerin, gemischtes Ensemble und Zuspiele
Libretto: Iris ter Schiphorst nach I. Bachmann
Dauer: 35 min.
Auftragswerk für Klang21 - Taschenoperfestival Salzburg 2021, gefördert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung
UA: 28.09.2021 SZENE Salzburg, SalzburgUndine - Katharina Brenner, Camille - Frauke Aulbert, Violetta - Sachika Ito, Hans - Hans Woudenberg
NAMES Ensemble; Ltg : Peter Rundel
Aufführungsmaterial erhältlich bei Boosey & Hawkes
UNDINE GEHT! (2021)
Kammeroper, Taschenopernfestival Salzburg 2021, Filmdokumention: Kristof Georgen

Besetzung:
Camille - Sopran,
Undine - Schauspielerin,
Hans - Solocellist mit schauspielerischen Fähigkeiten
Kontrabassklarinette in B
Posaune
Schlagzeug
Sampler
Harfe
Klavier
Elektrogitarre
Viola
Kontrabass
Programmhefttext
Ingeborg Bachmanns Erzählung ‚Undine geht’ aus dem Jahr 1961 galt seinerzeit als ‚Einspruch’ gegen die traditionellen Undine-Erzählungen. Erstmalig hatte Undine hier eine eigene Stimme, wurde ihre Sicht auf die Liebe, auf die ‚Ordnung zwischen den Menschen’ ins Zentrum gestellt...
Genau 50 Jahre sind seither vergangen. Entsprechend ist meine Undine ebenso wie mein Hans in die Jahre gekommen. Doch noch immer ist ''die Welt finster' und 'keine Lichtung' in Sicht.
So hält Undine noch einmal Zwiesprache mit den Menschen, läßt ihre vor 50 Jahren beschworenen Utopien Revue passieren, verstrickt sich dabei in Widersprüche, gibt sich nach wie vor kämpferisch - und immer wieder auch ihrem eigenen Größenwahn hin...
Und Hans, ist er in dieser Art Monodram nichts weiter als ihre Projektionsfläche?
Und wer oder was ist dieses Wesen mit dem geschlechtsneutralen Namen ‚Camille’ (nicht zu verwechseln mit Camilla, der Prostitutierten aus Max Frischs ‚Mein Name sei Gantenbein’)? Eine Metamorphose der alten Undine oder ihr ‚alter ego’? Ist es Zufall, dass auch die Hauptfigur in Donna Haraways Buch ‚Unruhig bleiben’ diesen Namen trägt, dort eine Symbiontin, eine Mischung aus Mensch und seltenem Falter?
An einer Stelle zitiert Camille eine kurze Textpassage von Björk: „The past is on loop. Turn it off.“ Doch können – und wollen! - Undine und Hans sie überhaupt hören? Wenn doch das Wasser immer weiter steigt?
Iris ter Schiphorst, August 2021
Presse
NZ, März 2021, Egbert Hiller "Todesküsse und Traumata"...
Großartiges Finale beim Taschenopernfestival Salzburg...
Iris ter Schiphorsts «Undine geht»seziert Bachmanns Undine im Hinblick auf deren utopische Dimensionen – und muss konstatieren, dass die «Welt immer noch finster und keine Lichtung in Sicht ist». In Verzweiflung stürzt sie deswegen aber nicht.
Mit harscher Bitterkeit, schrägem Charme und bohrender Schärfe verschmelzen schrille Revue-Anklänge und reflexive Betrachtungen; Klangfratzen aus Pop-Kultur und Operntradition brechen unvermittelt ein.
Die von den Darsteller:innen erzeugten Spannungsfelder sind schlichtweg atemberaubend: Katharina Brenner als Undine, Hans Woudenberg als «singender Cellist», Frauke Aulbert als mythisches Wesen und die als Interludium auf einer fahrbaren Trage hereinrauschende Sachika Ito als Violetta (aus Giuseppe Verdis La traviata).
Die Grenzen des Herkömmlichen sprengt auch das brillante Ensemble Names, nun wieder unter Leitung von Peter Rundel...
Nixe in neuen Kleidern - Taschen Opern Festival /Hilfe! Undine geht http://www.drehpunktkultur.at/index.php/auf-den-buehnen/musiktheater-tanz/15459-undine-in-neuen-kleidern
...Das Finale bildet Undine geht! von Iris ter Schiphorst, die eine Spezialistin für effektvolle, gar nicht so verfremdete Aneignungen zwischen Geräusch-Avantgarde und Techno, Popmusik und Verdi-Arien ist, sodass einem nicht fad werden kann. Sie macht das mit handfestem Sinn für theatralische Aktionen und verwendet geschickt Bachmann-Originaltexte. Undine ist hier eine Schauspielerin (die charismatische Katharina Brenner), Hans ein singender und sprechender Cellist (der in allen seinen Aufgaben perfekte Hans Woudenberg). Dazu kommt ein geheimnisvoll girrendes, aber auch ein Lied der Björk zitierendes Wesen namens Camille (die patente Frauke Aulbert). Am Ende, ehe der Cellist zwischen der unerbittlichen Undine und seinem Instrument verendet, darf Sachiko Ito vorführen, dass sie Verdis Violetta singen kann. Lebhafter Beifall für einen experimentellen, sehens- und hörenwerten Abend.
Gottfried Franz Kasparek 29/09/21
„Hilfe! Undine geht“, Salzburger Taschenopern-Festival 2021, Atelier Gespräch, 29.09.2021, Bibliotheksaula, Univ. Salzburg
https://unitv.org/beitrag.asp?ID=1019&Kat=1&SubKat=16
