Iris ter Schiphorst
Die großen Väter in der Neuen Musik - und Mr. John Cage...
Archiv: aus Notizen 2005
Das Über-Ich, an dem die Söhne nicht vorbeikommen: Lachenmann, Huber – natürlich Boulez etc. etc. –, die großen, starken alten Männer, die strenge Ismen verbreiten und einfordern; jene, die die „symbolische Ordnung" der Neuen Musik repräsentieren und ganze „Söhne-Generationen" herangezogen haben - und noch immer heranziehen.
Viele dieser Söhne sind mittlerweile in die entsprechenden Posten der Väter geschlüpft: für Nikolaus A. Huber etwa Günther Steinke, für Lachenmann Marco Stroppa etc. etc. – immer mit dem Segen des Vaters, der sehr wohl darüber wacht, dass die entsprechende Genealogie bestehen bleibt.
Es gibt auch noch den ganz anderen 'großen Vater', sozusagen den „Gute-Kumpel-Vater": Mr. John Cage. Der ist eher für die androgyneren Söhne zuständig, für die großen, ewigen Jungs (was nicht heißt, dass nicht auch die anderen Söhne ewige Jungs bleiben).
Vom Mord ist da natürlich auch irgendwann die Rede, nämlich vom Vatermord (wie Lachenmann in Bezug auf seinen Lehrer Nono nicht müde wird zu referieren). Der Muttermord ist eine andere Geschichte, wenngleich um Vieles grausamer – oder auch: realer.