Birgit Johanna Wertenson

Wie geht es eigentlich Eurydike?

Eine Methologie auf Spurensuche: Zu Iris ter Schiphorsts Kammeroper Euridice (2001/2002)

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Der Mythos rund um den Sängerhelden Orpheus, der es kraft seiner Kunstfertigkeit schafft, die Unterwelt zu betreten und ihr, im Gegensatz zu seiner Geliebten Eurydike, lebend wieder zu entkommen, ist für die Musikwelt faszinierend. Der archaische Mythos spielt spätestens seit Claudio Monteverdis Mythologie L’Orfeo eine zentrale Rolle in der Musikgeschichte und hat mittlerweile einen mehr als vierhundertjährigen Rezeptionsstrang entwickelt.
Er dauert auch im 21. Jahrhundert an: Am 20. September 2002 fanden im Rahmen eines dreiteiligen Orpheus-Projekts des Bielefelder Theaters musikalisch-szenische Neuinterpretationen des Orpheusmythos statt. Der mythischen Figur sollte unter dem Motto der Erinnerungstopographie mit drei Werkaufträgen begegnet werden. Während Manos Tsangaris seinen Beitrag 'Orpheus, Zwischenspiele' in die wörtlich genommene Bielefelder Unterwelt der U-Bahn-Schächte verlegte und Georg Nussbaumer in orpheusarchipel eine provokant-spielerische ›Installationsoper‹ unternahm, präsentierte Iris ter Schiphorst auf der Bühne des Theaters am Alten Markt das antike Liebesdrama aus neuer Perspektive, und zwar aus derjenigen Eurydikes. Die Komponistin verbannt Orpheus aus ihrem Werk und geht auf Spurensuche nach dem weiblichen Part des Mythos. …

wertenson_eurydike.pdf

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